Hintergrund


Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Ukraine – ihrer Geschichte, Nation, Landeskunde, Sprache und Literatur – ist, verglichen mit ähnlichen Forschungsrichtungen, im deutschsprachigen Raum schwach ausgebildet. Standorte der Ukrainistik sehen sich mit Mittelkürzungen konfrontiert und sind durch den Abbau von Lehrkräften betroffen. Darunter leidet sowohl die Ukraine-Forschung in Deutschland als auch die Vermittlung ukrainerelevanten Wissens. Das spiegelt sich an deutschen Hochschulen in einem nur geringen Lehrangebot wider. In den letzten 20 Jahren schlossen deutschlandweit weniger als ein Dutzend Studierende erfolgreich ein Studium der Ukrainistik als Hauptfach ab. Entsprechend gering fließt dadurch Ukraine-Expertise in Arbeitsbereiche ein, in denen fundierte Kenntnisse über den zweitgrößten europäischen Flächenstaat vorhanden sein sollten. Gerade vor dem Hintergrund immer noch andauernder Konflikte auf dem Territorium der Ukraine wird deutlich, wie häufig stereotype Denk- und Argumentationsmuster den öffentlichen Diskurs prägen. Auch wenn die staatliche Existenz der Ukraine nicht infrage steht, fehlen oftmals die notwendigen Kenntnisse darüber, worauf ihre nationale Eigenständigkeit fußt und welche historischen Entwicklungen diese begründen. Dies zeigt sich nicht zuletzt bei der Bewertung der russischen Interventionen auf der Krim und im Donbass. Ebenso überlagert die Frage nach Ethnizität und Identität oftmals die wichtigere Frage nach Identifikation – wie es am Mythos von den „zwei Ukrainen“ deutlich wird.

Um diese stereotypen Denkmuster aufzulösen, ist die Vermittlung von basalem Wissen über den ukrainischen Staat, die ukrainische Sprache und Kultur sowie zur europäischen Geschichte der Ukraine hilfreich. Zwar existieren an deutschen Hochschulen internationale Sommerschulen, wie das Greifswalder Ukrainicum oder das Viadrinicum in Frankfurt (Oder). Diese richten sich allerdings vorrangig an Studierende. Eine berufsbegleitende Zusatzqualifikation im Bereich Ukraine-Studien existiert bisher noch nicht und ist im deutschsprachigen Raum einmalig.

Mit Ukraine Calling soll die Situation durch den kontinuierlichen Ausbau der Ukraine-Kenntnisse von Berufstätigen in den Schlüsselpositionen Politik, Verwaltung, Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft verbessert werden. Die Kooperationspartner haben sich folgende Ziele gesetzt:
 

  1. Förderung der Ukraine-Expertise von Verantwortlichen aus den Bereichen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft
     
  2. Stärkung der Berücksichtigung ukrainebezogener Themen in den jeweiligen Arbeitsbereichen der Seminarteilnehmer und Förderung von Projekten mit Bezug zur Ukraine
     
  3. Entwicklung von institutionellen Partnerschaften zwischen deutschen Teilnehmern und ukrainischen Partnern
     
  4. Vernetzung der deutschen Teilnehmer untereinander und Ausbau eines organisationsübergreifenden Dialogs mit Bezug zur Ukraine